Magnetresonanztomografie zeigt schlüpfendes Hühnerküken

Wissenschaftler der Biomedizinischen NMR Forschungs GmbH am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen haben täglichen Entwicklungsstufen eines Hühnerembryos, dessen Körperbewegungen innerhalb der geschlossenen Eierschale und sogar das Schlüpfen mithilfe eines Magnetresonanztomografen gefilmt.

  • Marianne Heukenkamp
  • geschrieben am: 10.07.2013
  • Autor: M. Heukenkamp
  • gelesen: 2683 mal

Ein Projektteilnehmer justiert die Bruthöhle mit
dem innen liegenden Hühnerei zwischen den
MR- Empfängerspulen.
© Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

60.000 MRT-Bilder für ein Video

Die Forscher verfolgen die gesamte Entwicklung des Kükens im Ei im MRT-Scanner. Während des eigentlichen Schlüpfvorgangs befand sich das Ei 24 Stunden lang ununterbrochen im Gerät. In den letzten 13 Stunden wurden Bildserien mit etwa 60.000 MRT-Bildern aufgenommen und aus den Aufnahmen der letzten Dreiviertelstunde mithilfe leistungsstarker Rechner zwei Videos generiert. Die Projektteilnehmer waren dabei beeindruckt von der Dynamik der Vorgänge. Projektleiter Roland Tammer: „Entscheidend war für uns, die natürliche Dynamik des Hühnerembryos zu beobachten. Die unvorhersehbaren Bewegungen im Inneren des Eies waren bei der Bildaufnahme eine besondere Herausforderung. Je stärker sich das Küken bewegte, desto komplizierter wurde es für uns, die Scan-Ebene nicht zu verlieren und Details exakt zu erkennen. […] Es war unglaublich spannend zu sehen, wie sein Brustkorb arbeitete und welche Anstrengungen es aufbringen musste, um sich aus der Schale zu befreien.

Neues Bildgebungsverfahren für künftige medizinische Verwendung erprobt

Zum Einsatz kam ein 2010 entwickeltes, neues Bildgebungsverfahren namens FLASH 2. Es arbeitet mit einem mathematischen Rekonstruktionsprinzip, das extrem schnelle Aufnahmezeiten von bis zu 50 Einzelbildern pro Sekunde ermöglicht. Projektleiter Roland Tammer: „Wir konnten mit FLASH 2 von außen und ganz ohne das lebende Küken zu stören seine Bewegungen in der engen Eischale live mitverfolgen. Dieses Verfahren verheißt in Zukunft neue Wege für eine ganze Reihe von möglichen medizinischen Anwendungen. Ein Beispiel sind diagnostische Eingriffe oder Operationen unter gleichzeitiger MRT-Kontrolle.

Damit könnten sich die Magnetresonanztomografie weitere Anwendungsfelder in der Medizin öffnen.